Aufzucht der Seidenraupe - Vertiefungslektüre

Aufzucht

Die gesamte Aufzucht der Raupen erfolgt in einem geschützten Raum in welchem die Temperatur reguliert werden kann.  Die Raupen  brauchen während der ganzen Zeit ihres Raupendaseins (ca. einen Monat) eine permanente, sorgfältige Betreuung.

 

Das Futter (Blätter des weissen Maulbeerbaumes) muss immer frisch gepflückt sein, welkes Laub wird nicht gefressen. Die Raupen müssen mehrmals am Tag gefüttert werden. Die frisch gepflückten Maulbeerblätter werden vom ersten bis zum vierten Larvenstadium auf Raupengrösse zugeschnitten und auf die Raupen gelegt. Zwischen den Larvenstadien häuten sich die Raupen. In dieser Zeit (1 -2 Tage)  fressen die Raupen nicht. 

 

Ihre Unterlage muss sauber sein, deshalb werden sie nach jeder Häutung umgesetzt. Zunächst ist die Unterlage aus Papier, später sind es Gitterroste oder Netze, so dass der Kot nach unten fallen kann.

Maulbeerbaum

Die Seidenraupe frisst Blätter des weissen Maulbeerbaumes (morus alba).  Die ursprüng­lich tropische Pflanze hat sich mit ihrer Verbreitung über die Welt der jeweiligen Umgebung angepasst. So sind über die Jahrtausende ca. 2’500 Varietäten entstanden. Darunter sind solche welche sich speziell als Futterpflanze eignen, andere wiederum sind wegen ihrer guten Früchte wichtig und wiederum andere für ihr schönes Holz. Diese unschätzbare Viel­falt an Pflanzen ist langsam am Verschwinden. Wir sammeln möglichst viele dieser Pflan­zen, welche auch für unser Klima geeignet sind. Diese pflegen und vervielfältigen wir und legen an mindestens einem Standort einen Sortengarten an. 

Raupe und Falter

Die Raupen sind äußerst empfindlich gegen Zugluft, gegen Lärm von außen oder gegen fremde Gerüche und hauptsächlich gegen Krankheiten. Wird der Raupenbestand z. B. von der Schlaffkrankheit (Flacherie) befallen, so kann das verheerende Folgen haben. Der ganze Bestand, d.h. die wochenlange Arbeit kann vernichtet werden. Die Betreuerinnen der Raupen achten daher darauf, dass kein Unbefugter das Raupenhaus betritt und so Krankheitskeime eingeschleppt werden.

Nach ca. vier Wochen  spinnt sich die Raupe in ein Kokon ein und die Metamorphose beginnt. 

Nach drei Wochen ist die Metamorphose der Raupe zum Nachtfalter abgeschlossen. Der Schmetterling zerstört die Spitze des Kokons und kriecht heraus. Doch durch die jahrtausendealte Zucht der Maulbeerspinner sind diese so weit degeneriert, dass sie weder fliegen noch fressen können. Ihre entsprechenden Organe sind stark zurückgebildet.

 

Die Falter sind sofort nach dem Schlüpfen auf die Paarung ausgerichtet, die ein Akt von bis zu zwölf Stunden sein kann. Die Männchen sterben gleich danach, während die Weibchen anschliessend sofort mit der Eiablage beginnen. Sie legen 300 bis 500 Eier ab und sterben dann ebenfalls. So beginnt der Kreislauf wieder von vorn. Doch man lässt nur so viele Falter schlüpfen, als zur Weiterzucht gebraucht werden.


 

 

Eier und Raupen

Die frisch abgelegten Eier des Maulbeerfalters sind blassgelb, innerhalb gut vier Tagen verfärben sie sich bleigrau bis grünlich; damit hat die erste Entwicklungsphase des Embryos stattgefunden. In diesem Stadium überwintert das Ei bis zum nächsten Frühling. Unbefruchtete Eier bleiben gelb und vertrocknen.

 

Zur weiteren Entwicklung braucht das Ei Wärme und Feuchtigkeit. Aus den Eiern schlüpfen nach etwa zehn Tagen winzige, kaum 2 mm lange Räupchen aus, die dank ihrer ungeheuren Fresslust innerhalb eines Monats zu einer Länge von 9 – 10 cm heranwachsen. Dabei nehmen sie das 10’000-Fache an Gewicht zu. Während dieser Zeit häuten sie sich viermal.

Einspinnen zum Ersten

Sind die Raupen reif zum Einpuppen sehen sie glasig aus, so voll sind sie mit Spinnsubstanz; sie stellen die Futteraufnahme ein. Die Tiere brauchen jetzt einen ruhigen Platz um sich einzuspinnen; „sie gehen auf den Bergpfad“ sagen die Chinesen.  Jetzt stellt man den Raupen "Spinnhilfen" aus Karton, Plastik oder gebundenes dürres Reisig zur Verfügung. In diese "Spinnhilfen" klettern die Raupen und suchen sich ihr Plätzchen.

 

Nun beginnt die Raupe mit dem Spinnvorgang, indem sie zuerst verschiedene Haltepunkte an die "Spinnhilfe" setzt und mit etwas Fadengewirr, der Flockseide, ein loses Netzwerk bildet. Ist dieses Stützgespinnst haltbar genug, beginnt die Raupe mit der Herstellung des Kokon, der kleinen, eiförmigen Hülle, in der sich die Verwandlung zum Falter vollzieht. Drei Tage lang, ohne Unterbrechung umhüllt sie sich, legt sie ihr Gespinnst in achterförmigen Windungen rund um ihren Körper und bildet dabei einen Faden, der bis zu 3000 Meter Länge haben kann.

 

Einspinnen zum Zweiten

An der Unterlippe der Raupe befindet sich die Spinnwarze, aus der die Flüssigkeit ausgepresst wird, die an der Luft sofort erstarrt. Die Spinnmasse stammt aus zwei Drüsen im Körper, die im letzten Abschnitt vor der Spinnwarze zusammenlaufen und ihren Inhalt gleichzeitig abgeben; d. h.: der Kokonfaden besteht aus zwei hauchdünnen Fäden Fibroin (der Seide), jeder ist umhüllt mit klebendem Serizin (Seidenleim oder Seidenbast). Nach dem Austritt an die Luft verkleben die Fäden miteinander.