Seidenraupenzucht

Quelle: Kircher Webgeräte, D-35759 Driedorf, (Germany) www.holzkircher.de

Seidenraupen beim Fressen

Seidenraupen beim Fressen

Beim Bombyx Mori L. oder dem „Maulbeerspinner“ handelt es sich um einen unscheinbaren Nachtfalter, der für seine Entwicklung vier verschiedenen Stufen durchläuft: Ei – Raupe – Puppe – Schmetterling. Die Puppe, d.h. das Kokon, das die Raupe zur Verpuppung um sich herum spinnt, ist ein brauchbarer Faden, die Seide. Um diesen Faden zu gewinnen, bedarf es vieler Arbeiten und sorgfältiger Aufzucht der kleinen Tiere.

Als Nahrung braucht dieser Seidenspinner die Blätter von Maulbeergewächsen (Moraceae), der weißen Maulbeere (Morus alba).

Die frisch abgelegten Eier des Maulbeerfalters sind blaßgelb, innerhalb gut vier Tagen verfärben sie sich bleigrau bis grünlich; damit hat die erste Entwicklungsphase des Embryos stattgefunden. In diesem Stadium überwintert das Ei bis zum nächsten Frühling. Unbefruchtete Eier bleiben gelb und vertrocknen.

Dann ist Brutzeit, das Ei braucht jetzt Wärme zur weiteren Entwicklung. Aus den Eiern schlüpfen nach etwa zehn Tagen winzige, kaum 3 mm lange Räupchen aus, die dank ihrer ungeheuren Freßlust innerhalb 35 – 40 Tagen zu einer Länge von 9 – 10 cm heranwachsen, dabei nehmen sie das 10’000fache an Gewicht zu. Während dieser Zeit häuten sie sich viermal.

Die gesamte Aufzucht der Raupen erfolgt im Haus. Die Raupen werden auf Brettern oder Tabletts gehalten, die auf Gestellten bewahrt werden. Die Tierchen brauchen während der ganzen Zeit ihres Raupendaseins eine permanente, sorgfältige Betreuung. Ihre Unterlage muß sauber sein, deshalb werden sie laufend umgesetzt. Zunächst ist die Unterlage aus Papier, später sind es feine Gitterroste, so daß der Kot nach unten fallen kann. In den ersten Tage brauchen die Raupen häufig neues Futter. Die frisch gepflückten Maulbeerblätter werden auf die Raupen gelegt, sie verschwinden in kurzer Zeit. Nach jeder Häutung wird die Blätterportion größer, kann in größeren Abständen gefüttert werden. Das Futter muß immer gerade frisch gepflückt sein, welkes Laub wird nicht gefressen.

Die Raupen sind äußerst empfindlich gegen Zugluft, gegen Lärm von Außen oder fremde Gerüche und, vor allen Dingen, gegen Krankheiten. Wird der Raupenbestand z. B. von der Pepitrine oder Flecksucht, oder der Schlafkrankheit befallen, so kann das verheerende Folgen haben. Der ganze Bestand, d.h. die wochenlange Arbeit kann vernichtet werden. Die Betreuerinnen der Raupen achten daher darauf, daß kein Unbefugter das Raupenhaus betritt und so Krankheitskeime eingeschleppt werden.

Sind die Raupen reif zum Einpuppen sehen sie glasig aus, so voll sind sie mit Spinnsubstanz; sie stellen die Futteraufnahme ein. Die Tiere brauchen jetzt einen ruhigen Platz um sich einzuspinnen; „sie geht auf den Bergpfad“ sagen die Chinesen. Dort bindet man mit Büscheln aus Reisstroh kleine Kegel zu „Spinnhütten“, doch auch gebundenes dürres Reisig oder entsprechende Gitterroste dienen diesem Zweck. In diese kleinen Hütten klettern die Raupen und suchen sich ihr Plätzchen. Nun beginnt die Raupe mit dem Spinnvorgang, indem sie zuerst verschiedene Haltepunkte an das Stroh oder die Reiser setzt und mit etwas Fadengewirr, der Flockseide, ein loses Netzwerk bildet. Ist dieses Stützgespinnst haltbar genug, beginnt die Raupe mit dem Kokon, der kleinen, eiförmigen Hülle, in der sich die Verwandlung zum Falter vollzieht. Drei Tage lang, ohne Unterbrechung umhüllt sie sich, legt sie ihr Gespinnst in achterförmigen Windungen rund um ihren Körper und bildet dabei einen Faden, der bis zu 3000 Meter Länge haben kann.

An der Unterlippe der Raupe befindet sich die Spinnwarze, aus der die Flüssigkeit ausgepreßt wird, die an der Luft sofort erstarrt. Die Spinnmasse stammt aus zwei Drüsen im Körper, die im letzten Abschnitt vor der Spinnwarze zusammenlaufen und ihren Inhalt gleichzeitig abgeben; d. h.: der Kokonfaden besteht aus zwei hauchdünnen Fäden Fibroin (der Seide), jeder ist umhüllt mit klebendem Serizin (Seidenleim oder Seidenbast). Nach dem Austritt an die Luft verkleben die Fäden miteinander.

Nach einer Ruhepause von etwa drei Wochen ist die Metamorphose der Raupe zum Nachtfalter abgeschlossen. Der Schmetterling zerstört die Spitze des Kokons und kriecht heraus. Doch durch die jahrtausendalte Zucht und Inzucht der Maulbeerspinner sind diese so weit degeneriert, daß sie weder fliegen noch fressen können. Ihre entsprechenden Organe sind stark zurückgebildet. Die Falter sind sofort nach dem Schlüpfen auf die Paarung ausgerichtet, die ein Akt von bis zu zwölf Stunden sein kann. Die Männchen sterben gleich danach, während die Weibchen anschließend sofort mit der Eiablage beginnen. Sie legen 300 bis 500 Eier ab und sterben dann ebenfalls. So beginnt der Kreislauf wieder von vorn. Doch man läßt nur so viele Falter schlüpfen, als zur Weiterzucht gebraucht werden.

Eine Seidenraupe sucht sich einen Platz zur Verpuppung.

Eine Seidenraupe sucht sich einen Platz zur Verpuppung.